Faszination Faszien: Funktion, Aufbau und Training

von Team Zelltuning
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Die Faszien wurden von der westlichen Medizin und Wissenschaft lange Zeit nahezu ignoriert. Dabei wird immer deutlicher, dass die bindegewebsartigen Strukturen weit mehr als Füllmaterial sind und eine bedeutende Rolle für uns und unseren Körper spielen.

Was genau sind Faszien?

Faszien umschließen jede einzelne Körperzelle. Alles in unserem Körper ist von Fasziengewebe umhüllt: Die Muskelgruppe ebenso wie ein einzelner Muskel, innere Organe, die Gelenkkapseln, Knochen, Blutbahnen, Nervenbahnen, Lymphgefäße… Wir sind von Kopf bis Fuß von Bindegewebe durchzogen.

So sind es die Faszien, die unseren Körper zusammenhalten und ihm Struktur und Stabilität verleihen. Ohne sie würden wir in uns selbst zusammenfallen, da es keinen Zusammenhalt aller unterschiedlichen Gewebearten mehr gäbe. Die Faszien verbinden jede einzelne Einheit des Körpers zu einem großen Ganzen.

Die Übergänge sind dabei fließend: Es gibt keine scharfe Grenze, wo das Bindegewebe aufhört und der Muskel anfängt, wo der Muskel in die Sehne übergeht und die Sehne vom Knochen getrennt ist. Dank des faszialen Gewebes ist alles im Körper miteinander verbunden und spielt perfekt zusammen.

Neben der Form- und Strukturgebung sind die zentralen Funktionen des Bindegewebes die folgenden. Einige davon werden erst seit einigen Jahren näher untersucht und es ist wahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren weitere spannende Erkenntnisse über die Welt der Faszien zu Tage kommen.

  • Beweglichkeit
  • Kraftübertragung vom Muskel über die Sehne in den Knochen
  • Zellstoffwechsel mit Blut- und Lymphsystem
  • Schutz vor von außen einwirkenden Kräften oder eindringenden Fremdkörpern
  • Immunabwehr durch Immunzellen in der Grundmatrix des Bindegewebes
  • Kommunikation mit dem Gehirn durch viele freien Nervenendungen des vegetativen Nervensystems
  • Propriozeption = die Eigenwahrnehmung des Körpers im Raum
  • Energietransport – viele Energielinien östlicher Traditionen verlaufen durch das Fasziengewebe, Akupunkturpunkte stimmen mit Perforationen in den Oberflächenfaszien überein
In den meisten herkömmlichen Anatomiedarstellungen kommen Faszien nicht vor – dabei tragen sie eine hohe Bedeutung für den Körper. Bildquelle: Unsplash / Nhia Moua

Der Aufbau von faszialen Strukturen

Je nach Position und funktionaler Einheit nimmt das Bindegewebe eine unterschiedliche Struktur an – mal ist es eine flächige Platte, mal eine dehnbare Hülle und mal ein fester Strang. Es gibt also unterschiedliche Arten von Faszien, wie zum Beispiel:

  • Oberflächenfaszien (unterhalb des Fettgewebes der Unterhaut)
  • Tiefenfaszien (zwischen Haut und Muskel)
  • Muskuläre Faszien (Myofaszien)
  • Sehnen und Bänder
  • Fasziale Strukturen der Gelenke (Gelenkknorpel, Gelenkscheiben, Gelenkkapsel)
  • Fasziale Strukturen der Knochen (äußere und innere Knochenhaut, Knochenmatrix)
  • Sehnenplatten (zum Beispiel Lumbodorsalfaszie am unteren Rücken, Plantarfaszie an der Fußsohle)
  • Fasziale Strukturen der Organe (zum Beispiel Hirnhaut, Herzbeutel, Brustfell)
  • Umhüllung der Blut- und Lymphgefäße
  • Umhüllung der Nervenbahnen

Grundsätzlich besteht das Bindegewebe aus einer wässrigen Grundsubstanz und zwei unterschiedlichen Faserproteinen, Kollagen und Elastin.

Die wässrige Grundsubstanz, auch extrazelluläre Matrix oder Zwischenzellsubstanz genannt, besteht zu ca. 70 % aus Wasser, das an Hyaluronsäure gebunden ist. Es hat eine zähflüssige Konsistenz und beinhaltet alle Fasern und Zellen, die das Bindegewebe ausmachen. Es stellt den Raum dar, durch den einzelne Zellen migrieren können, und trägt zum Zellstoffwechsel und der Nährstoffversorgung sowie dem Abtransport von Abbauprodukten bei.

Beim Großteil der Fasern einer Faszie handelt es sich um Kollagenfasern. Diese haben eine sehr hohe Zugfestigkeit und verleihen der Faszie sowie dem gesamten Körper Form, Festigkeit und Stabilität. Kollagenfasern werden aus drei Eiweißketten gebildet, die spiralförmig ineinander verschlungen sind.

Elastinfasern hingegen sind, wie der Name schon andeutet, elastischer als Kollagen. Sie schützen das Kollagen, indem sie durch ihre 1-1,5-fache Dehnbarkeit sämtliche Zugbelastung abfangen.

Die Zusammensetzung macht den Unterschied

Unterschiedliche Erscheinungsformen von Bindegewebe kommen vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Faszien sowie dem Anteil an Wasser zustande. So ist beispielsweise der Kollagenanteil der Sehnenplatten deutlich höher als bei einer Oberflächenfaszie oder der Umhüllung der Lunge, da eine unterschiedliche Dehnbarkeit bzw. Straffheit gewährleistet sein muss. Auch verlaufen die Kollagenfasern teils parallel und teils gitterförmig, was sich unterschiedlich auf die Zugkraft und Zugfestigkeit auswirkt.

Zwei größere Faszienplatten befinden sich an den Fußsohlen: Die Plantarfaszie. Bildquelle: Unsplash / Jan Romero

Faszien können schuld an Rückenschmerzen sein

Ist das Bindegewebe trainiert und gesund, verlaufen die einzelnen Fasern der Faszie gleichmäßig und strukturiert. Das Gewebe ist dann locker und elastisch. Handelt es sich um untrainierte Faszien, verlaufen die Faszienfasern ungleichmäßig und ähneln eher einem Wollknäuel. Fasern verkürzen sich, das Bindegewebe verklebt und wird unelastisch.

Ursache für verklebte Faszien können zum Beispiel die folgenden Gründe sein:

  • Bewegungsmangel
  • Fehlhaltung
  • Überbelastung oder einseitiges Training
  • Fehlhaltung
  • Stress

In geringem Ausmaß sieht unser Bindegewebe nach jeder Nacht aus wie oben beschriebenes Wollknäuel. Sobald wir aufstehen, uns bewegen, dehnen und strecken sortieren sich die Fasern aber wieder und gelangen in ihre geordnete Form zurück.

Das ist anders, wenn über längeren Zeitraum eine der genannten Ursachen zutrifft. Dann treten Gefühle von Verspannung, Unbeweglichkeit, Festigkeit oder gar Schmerzen auf.

So können verklebte Faszien auch Grund für Rückenschmerzen sein – eine Diagnose, die vielen Patienten mit Rückenproblemen weiterhelfen kann. Am unteren Rücken befinden sich die drei Lumbodorsalfaszien: Sehnenplatten, die sehr eng übereinander liegen und den Rücken stabilisieren. Zum Beispiel durch fehlende Bewegung oder eine Fehlhaltung beim Sitzen am Schreibtisch verkleben und verfilzen diese Faszienplatten. Möglicherweise quetschen sie dabei Nervenzellen ein und Schmerzen sind die Folge.

Auch an anderen Stellen haben Verklebungen in den Faszien weitreichende Folgen. Neben Schmerzen können sie zu beeinträchtigter Muskelarbeit, einer gestörten Koordination, Steifigkeit und einer ungünstigen Körperhaltung führen. Außerdem kann es Probleme bei der Kraftübertragung zwischen Muskel und Knochen geben.

Die gute Nachricht: Faszien lassen sich trainieren

Dem können Sie jedoch vorbeugen oder Abhilfe schaffen, wenn es bereits zu Verklebungen gekommen ist. Denn Faszien lassen sich durchaus trainieren, um die Funktionsfähigkeit aufrecht zu halten oder wieder herzustellen – Sie müssen nur wissen wie.

Unterschiedliche Bindegewebsarten benötigen unterschiedliche Stimulation. Grundsätzlich liebt das Bindegewebe einen Variantenreichtum an Impulsen. Zugreize, Druckreize, Dehnreize und Vibrationsreize sollten mal langsam, mal schnell, mal leicht, mal kraftvoll, mal aktiv und mal passiv angewendet werden.

Zwei besonders wirksame Methoden, um das Fasziengewebe zu trainieren und zu entspannen, stellen wir Ihnen hier vor.

Lange Dehnreize im Yin Yoga

Ein Großteil der Fasziengewebsstrukturen reagiert insbesondere auf langanhaltende Dehnungen oder sanfte Druckeinwirkung, wie es zum Beispiel im Yin Yoga der Fall ist. Dort werden passive Haltungen über mehrere Minuten gehalten.

Die Muskeln bleiben dabei passiv, sodass die Dehnung oder Kompression nicht vom Muskel abgefangen wird, sondern das Bindegewebe erreichen kann. Dieses beginnt erst nach einigen Minuten zu entspannen. Die Dehnung muss dazu nicht besonders intensiv sein, sondern darf angenehm sanft ausfallen.

Ein weiterer Pluspunkt für das Yin Yoga ist es, dass diese entspannende Yogapraxis gleichzeitig Stress abbaut und den Parasympathikus aktiviert. Da viele Nerven des vegetativen Nervensystems im Bindegewebe enden, wird Stress häufig genau dort gespeichert und der Körper verfestigt sich. Yin Yoga wirkt dem sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler Ebene entgegen.

Massage mit Faszienrollen oder Faszienball

Eine weitere wirksame und beliebte Methode ist die Faszienmassage. Die entsprechende Ausstattung mit Faszienrollen und Faszienbällen gibt es in unterschiedlichen Größen und Materialien. Damit können Sie bequem von zuhause Ihr Bindegewebe gezielt massieren und lockern.

Die Wirkung der Faszientherapie beruht nach heutigem Wissensstand wahrscheinlich aus einem Zusammenspiel von mechanischen und neurophysiologischen Mechanismen. Dahinter steckt zum einen eine direkte Bearbeitung der Verklebungen mit der Rolle bzw. dem Ball und zum anderen eine Stimulation gewisser Rezeptoren, die zur Entspannung des Muskels und der Faszien führen.

Übungen mit dem Faszienball

In einigen Jahren wissen wir wohl noch viel mehr zu den Faszien und ihrer Funktion im Körper. Doch bereits aus heutiger Sicht ist bewiesen, dass die feinen Gewebsarten eine enorme Bedeutung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Gründe genug, ihnen ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken und neben aktivem Sporttraining ein ausgleichendes Faszientraining zu integrieren.

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